Historie des Stuttgarter Künstlerbundes
von Anna J. Deylitz mit Ergänzungen von Dr. Friedrich Naglschmid
Die Tafelrunde als Vorläufer
1876 gründeten Kunstschüler die „Tafelrunde“. Sie trafen sich in Lokalen, zechten und verfassten illustrierte Zeitungen. Fünf erhaltene Bücher dokumentieren Kunstfertigkeit und Lebensläufe. Viele Teilnehmer wurden später Mitglieder des Künstlerbundes. Karl Bauer (1868–1942), Künstler und Schriftsteller, erscheint in Tafelrundenaufzeichnungen und später bei den Stuttgarter Sezessionisten. Die Tafelrunde kritisierte durch Karikaturen die Professoren und Künstler beschwerten sich über fehlende Ateliers und schlechte Ausbildungsbedingungen.
Berufung Graf Leopold von Kalckreuths
Ludwig Herterich verließ Stuttgart und empfahl jemanden von der Karlsruher Akademie. Graf Leopold von Kalckreuth, begabter Maler und liberaler Lehrer, kam nach Stuttgart mit seinen Kollegen Carlos Grethe und Robert Poetzelberger. König Wilhelm II. finanzierte die Gehälter. Eine beachtete Ausstellung der drei neuen Lehrer und Schüler fand 1900 statt.
Gründung des Künstlerbundes
Von Kalckreuth sorgte für ein Ausstellungsforum. Der Stuttgarter Künstlerbund wurde als eingetragener Verein gegründet und erscheint erstmalig 1900 im Stuttgarter Adressbuch mit von Kalckreuth als erstem Vorsitzenden. Die Gründung fand vor 1900 statt – 1898 wird als Gründungsjahr überliefert, doch viele Unterlagen verbrannten im Zweiten Weltkrieg. Julius Baum berichtet 1913 von einem Ausstellerverband und einem geselligen Verein. Der Künstlerbund besitzt einen Schatz von fünf Handpuppen, vermutlich von Robert Poetzelberger um 1908 geschnitzt.
Das Kunstgebäude wird geplant
Früh wurde bemängelt, dass Stuttgart keinen angemessenen Ausstellungsraum hatte. Das Hoftheater brannte 1902 nieder. Eine Petition von 1907 forderte ein Kunstgebäude am Schlossplatz. König Wilhelm II. übertrug Theodor Fischer die Ausführung. Das Gebäude sollte Städtische Galerie, Kunstverein und Künstlerbund beherbergen.
Einweihung des Kunstgebäudes 1913
Am 8. Mai 1913 fand die feierliche Einweihung statt. König Wilhelm II. war anwesend. Die Große Kunstausstellung Stuttgart zeigte 785 Exponate. Nach zwei Monaten überstiegen die Eintrittsgelder das Budget. Bei Schließung zählte man über 100.000 Besucher und über 300.000 Mark in Kunstverkäufen. Die Ausstellung zeigte Werke von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Adolf Hölzel.
Die Klubräume im Kunstgebäude
Im ersten Stock waren Garderobenraum, Billardzimmer, Lesezimmer und der langgestreckte Vereinssaal mit Bühne. Im Untergeschoss befand sich eine Kegelbahn von Theodor Fischer.
König Wilhelm II. und der Künstlerbund
Der König hatte eine besondere Vorliebe für seine Künstler. Die Königsabende gab es schon vor dem Einzug ins Kunstgebäude. Der König stiftete ein kaltes Buffet, serviert von Kunstschülern in Mohrenkostümen.
Die Stuttgarter Sezession 1923
Krieg und Inflation setzten dem Künstlerbund zu. 1923 kam es zur Stuttgarter Sezession. Gründungsmitglieder waren Heinrich Altherr, Arnold Waldschmidt, Alfred Loercher, Bernhard Pankok, Reinhold Naegele und Jakob Wilhelm Fehrle. Viele Sezessionisten waren auch Künstlerbundmitglieder.
Entartete Kunst und Gleichschaltung
In der Nazizeit wurden Kunstvereine gleichgeschaltet. Werke wurden beschlagnahmt. Katharina Loewenthal wurde im KZ Izbica ermordet. Hermann Fechenbach bekam 1933 Malverbot und emigrierte 1939 nach London. 1943 wurde das Kunstgebäude durch eine Sprengbombe zerstört.
Nachkriegszeit und Wiederaufbau
Adolf Weller war erster Nachkriegsvorsitzender. Das Kunstgebäude wurde erst 1961 wieder eröffnet. Erste Ausstellungen fanden auf dem Killesberg statt mit dem Motto „Die Kunst hat tausend Arten“. Das gesellige Leben, Künstlerfeste und Faschingsfeste waren wichtig.
Die Zeit bis 2019
Regelmäßige Ausstellungen im siebenwöchigen Wechsel. Die Tradition von Kunst am Sonntag wurde aufgenommen. Vereinsabend jeden ersten Mittwoch im Monat.
Die Interimsjahre seit 2019
Corona-Pandemie unterbrach das kulturelle Leben. 2020 wurde das Kunstgebäude zur Renovierung geschlossen. Das 125-jährige Jubiläum fand im StadtPalais statt. Am 14. September 2024 wurden die neugestalteten Räume wieder zur Verfügung gestellt.
Mitglieder
Der Künstlerbund hat derzeit 152 Mitglieder. Ein steigender Anteil jüngerer Mitglieder und wachsender Anteil internationaler Künstler schafft Lebendigkeit. Bedingung für Aufnahme ist, dass sich Künstler mit eigenen Ausstellungen bewährt haben.